Tierversuche in der Kosmetik

Wer tierversuchsfreie Kosmetik möchte, muss genau hinsehen

Kosmetik Tierversuche
Bild von Simona Robová auf Pixabay

Auch wenn die Gesetzeslage Tierversuche in der Kosmetik auf dem Papier verbietet, heißt das nicht, dass die Drogeriemärkte nur „saubere“ Produkte führen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kommt nicht darum herum, Positivlisten zu durchforsten und genau hinzuschauen, was er kauft.

Alles paletti? Tierversuche in der Kosmetik schon lange verboten

Rein oberflächlich betrachtet scheint alles in bester Ordnung: Tierversuche in der Kosmetik sind in Deutschland schon seit 1986 für die Entwicklung dekorativer Kosmetik verboten. Seit 1998 gilt das auch für pflegende Kosmetikprodukte. Seit 2004 dürfen Kosmetikprodukte nicht mehr an Tieren getestet werden. 2009 weitete man die Formulierung aus – auf Inhaltsstoffe und deren Kombination. Es ging also nicht mehr nur um das Produkt an sich, sondern auch darum, was darin enthalten ist. Ein wesentlicher Unterschied! Seit 2013 darf EU-weit keine Kosmetik verkauft werden, die in Tierversuchen getestet wurde. Und seit 2016 dürfen auch keine Daten von Tierversuchen außerhalb der EU verwendet werden.

Wieso dann doch Tierversuche in der Kosmetik? Der Teufel steckt im Detail!

Das klingt doch alles hervorragend und so, als wären damit alle Eventualitäten abgedeckt. Der Teufel steckt aber wie immer im Detail. Nur etwa zehn Prozent der Inhaltsstoffe von Kosmetik sind von dieser Gesetzgebung betroffen, weil sie ausschließlich in Kosmetika vorkommen. Den Großteil kann man auch für anderes benutzen: Waschmittel, Wandfarben, you name it. In einem solchen (häufigen!) Fall fällt der Stoff aber sofort unter das Chemikaliengesetz REACH, und das schreibt Tierversuche sogar vor.

Wenn ein Unternehmen also von sich behauptet, für seine Kosmetik keine Tierversuche durchzuführen, heißt das eigentlich … gar nichts. Der Konzern kann damit zum Beispiel verschleiern, dass die Inhaltsstoffe sehr wohl durch Tierversuche getestet wurden. Aber eben nicht vom Unternehmen persönlich.

Tierversuche in der Kosmetik: grausame Realität

Was Testlabore veranstaltet haben, um den Unternehmen mit ihren Tests den Rücken freizuhalten, liest sich wie ein Handbuch für mittelalterliche Foltermethoden. Für Hautreizungstests schert man Kaninchen das Fell ab und trägt die Prüfsubstanz auf. Kann schlecht für das Kaninchen ausgehen und zu schmerzhaften Entzündungen führen. Für Hautallergietests spritzt man Meerschweinchen die Substanz unter die Haut, um ihr Immunsystem anzuregen. Wenn ein erneuter Kontakt mit der Meerschweinchenhaut eine allergische Reaktion hervorruft, hat das Tier Pech gehabt und die Wissenschaft hat festgestellt, dass diese Substanz ungünstig für Meerschweinchen ist.

Ans Eingemachte geht es, wenn überprüft werden soll, ob eine Substanz keimschädigend ist, also das Erbgut verändert. Dafür wird die Substanz Ratten verabreicht, die trächtig sind oder später trächtig werden. Die Ratten werden dann zu verschiedenen Zeitpunkten ihrer Trächtigkeit getötet, um feststellen zu können, wie sich das Mittel auf den Embryo auswirkt.

Auch für ein faltenfreies Gesicht geht man buchstäblich über Leichen: Der Deutsche Tierschutzverbund vermutet, dass weltweit für die Verwendung von Botox jährlich rund 600.000 Mäuse ihr Leben lassen müssen. Weil Botox nicht synthetisch hergestellt, sondern unter Laborbedingungen aus lebenden Bakterien gewonnen wird, muss jede Charge überprüft werden, und zwar im sogenannten LD50-Test. Das bedeutet, dass den Mäusen so lange Botox gespritzt wird, bis die Hälfte von ihnen daran gestorben ist. Weil Botox ein Nervengift ist, führt es zu Lähmungen. Die Mäuse ersticken deshalb qualvoll. Das kann bis zu vier Tage dauern.

Nachbessern, verlangt der Deutsche Tierschutzbund

Obwohl also Tierversuche in der Kosmetik rein theoretisch schon lange verboten sind, ist de facto aber laut Tierschutzorganisation PETA nur eine Sache klar: Bei allen Unternehmen, die nicht deutlich und nachvollziehbar erklären, keine Tierversuche durchzuführen, kann man davon ausgehen, dass Tierversuche im Spiel waren oder sind. Das ist auch nicht illegal. Die Rechtslage sieht vor, dass Wissenschaftler lediglich schlüssig darlegen müssen, dass es zu den Tierversuchen keine Alternative gibt. Dem Deutschen Tierschutzbund ist das zu schwammig. Behörden können seiner Meinung nach nicht umfassend genug prüfen, bevor sie die Genehmigung erteilen, Kontrollen werden nicht sorgfältig genug durchgeführt. Dieser Meinung ist auch die EU-Kommission: Sie hat die Regierung aufgefordert, das Tierschutzgesetz anzupassen.

Jetzt neu und noch besser? Kein Versprechen ohne Tierversuche

Irgendwann müssen aber doch alle Substanzen einmal getestet und abgehakt sein, oder? Leider nein. Mit Altbewährtem lockt man in einem sich schnell verändernden Markt zu wenige Käufer hinter dem Ofen hervor. Gerade Kosmetikprodukte schmücken sich gern mit neuen Rezepturen oder neu entdeckten Inhaltsstoffen. Sind die Produkte für den weltweiten Verkauf bestimmt, kommt man um Tierversuche auch nicht herum, selbst wenn die Inhaltsstoffe nur für Kosmetik bestimmt sind. Der chinesische Markt zum Beispiel fordert nämlich Tierversuche für Kosmetikprodukte. Sonst lässt er sie gar nicht erst zum Verkauf zu.

Genau hinschauen: Positivlisten und ihre Kriterien

Um wirklich sicher gehen zu können, dass das Produkt in eurem Badezimmer nicht in irgendeinem Stadium an Tieren getestet wurde, ist kritischer Geist und Recherche gefragt. Nützlich sind Positivlisten, also Listen, auf denen Unternehmen und Produkte aufgeführt sind, denen ihr trauen könnt. Sie müssen nachvollziehbar darlegen, wie ein Unternehmen es auf die Liste geschafft hat – zum Beispiel, indem auch angegeben wird, ab welchem Zeitpunkt ein Unternehmen keine Tierversuche mehr durchgeführt hat.

Liste des Deutschen Tierschutzbundes: Ihr Siegel ist ein Häschen, das von einer Hand geschützt wird.

Leaping-Bunny-Liste: „Leaping Bunny“ ist ein internationaler Zusammenschluss von mehreren Tierschutzorganisationen, der Coalition for Consumer Information on Cosmetics.

PETA-Liste: PETA hat in einer Liste alle Unternehmen aufgeführt, die ihnen schriftlich versichert haben, dass sie keine Tierversuche durchgeführt, in Auftrag gegeben oder dafür bezahlt haben.

Vegan-Blume: Neben den beiden Häschen-Logos findet ihr immer öfter auch die Vegan-Blume auf Kosmetik-Verpackungen. Hinter dem Label steckt, dass das Produkt erstens vegan und zweitens in allen Produktionsschritten tierversuchsfrei ist. Aber Achtung: Nicht alle veganen Produkte sind per se nicht an Tieren getestet worden. Umgekehrt sind tierische Inhaltsstoffe wie Bienenwachs oder Milch nicht zwangsweise ein Hinweis darauf, dass Tiere leiden mussten.

Alternative Naturkosmetik: immer die bessere Wahl?

„Naturkosmetik“ ist kein rechtlich geschützter Begriff und deckt ein breites Spektrum ab: von wirklich guten, natürlichen Produkten bis zu Ablegern von traditionellen Unternehmen, die nur so tun als ob – Stichwort Greenwashing! Auch hier hilft ein Blick auf aussagekräftige Zertifizierungen:

BDIH-Siegel: Das Siegel steht zum Beispiel für ein Verbot von Rohstoffen, die ab 1998 an Tieren getestet wurden. Das gilt aber nur für Versuche, die der Hersteller (oder Rohstoffhersteller) nicht explizit in Auftrag gegeben hat. Hm.

NaTrue-Siegel: ähnlich weit verbreitet und etwas strenger

Ecocert, COSMOS und Naturland: haben ebenfalls strikte Standards, sind aber nicht so häufig anzutreffen

Und nu?

Wie gesagt, laut PETA ist im Grunde allen Produkten zu misstrauen, die nicht durch ein entsprechendes Siegel versichern, die Finger von Tierversuchen gelassen zu haben. Eine Hilfe bei der Recherche sind einschlägige Positivlisten wie von Leaping Bunny oder von PETA. Siegel für vegane Produkte und Naturkosmetik geben auch Orientierung. Eines aber ist sicher: Tierversuche in der Kosmetik sind keinesfalls nötig, um ein Produkt vor der Markteinführung zu testen. In vielen Fällen sind Tierversuche nämlich gar nicht auf den Menschen übertragbar und dienen vor allem der Absicherung der Konzerne. PETA rät: Um euch Klarheit zu verschaffen und euren Standpunkt zu Tierversuchen in der Kosmetik klarzustellen, solltet ihr euch an die Unternehmen wenden und sie mit Fragen löchern. So könnt ihr sicher sein, euer Geld in ein ethisch sauberes Produkt zu investieren.

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