Auch wenn Tierversuche für die Kosmetik beziehungsweise das kosmetische Endprodukt verboten sind, finden immer noch indirekt Tierversuche für Kosmetika statt. Bereits im Jahr 1998 verbot das deutsche Tierschutzgesetz jegliche Tierversuche für die Neuentwicklung kosmetischer Erzeugnisse. Dennoch sterben auch heute noch jedes Jahr Tausende Versuchstiere – auch für die Kosmetik.

Tierversuchsfrei – Spaß an Kosmetik ohne schlechtes Gewissen

Dekorative und pflegende Kosmetikprodukte sind aus unseren Badezimmern nicht mehr wegzudenken. Sie unterstützen bei Problemen wie fettiger Haut oder trockenen Haaren, bieten die Möglichkeit, mit Farbe die gewünschte Optik zu verleihen. Nicht zuletzt sorgt die Verwendung von Kosmetika für ein besseres Gefühl, eine Steigerung des Selbstbewusstseins und für etwas Entspannung im Alltag.

Damit der Spaß auch ohne schlechte Gefühle genossen werden kann, legen viele Nutzerinnen und Nutzer von Kosmetik mittlerweile Wert darauf, dass für ihre Kosmetika keine Tierversuche gemacht werden.

Was sind Tierversuche und welche Tiere werden dazu genutzt?

In Deutschland werden für Forschung und Wirtschaft etwa 3.000.000 Tierversuche durchgeführt – und das jedes Jahr. Europaweit sterben jährlich etwa 40.000 Versuchstiere. Auch für die Entwicklung von Kosmetika führen Labore heutzutage indirekt noch Versuche an Tieren durch.

In der Kosmetik werden vor allem neue Inhaltsstoffe bezüglich ihrer Auswirkungen an sogenannten Versuchstieren erprobt. Überprüft wird etwa die chronische und akute Toxizität der Stoffe. Dazu wird den Tieren der zu testende Stoff wiederholt oder einmalig verabreicht, um dann die Vergiftungserscheinungen feststellen zu können. Um zu überprüfen, ob der Stoff Haut und Schleimhäute reizen könnte, wird er üblicherweise dem betroffenen Tier direkt in die Augen oder auf die bloße Haut gegeben. Mögliche Entzündungen und Verätzungen werden beobachtet. Ferner gibt es zur Kontrolle der Auswirkungen der Stoffe auf die Haut ein Hautabsorptionstest, Hautallergietest und Test bezüglich der Phototoxizität vorgenommen. Auch die krebsauslösenden Eigenschaften werden überprüft, ebenso wie die fruchtschädigende Wirkung. Bei diesem Versuch bekommen trächtige Tiere die Substanz verabreicht. Totgeburten und Schädigungen sind die Folge. Die trächtigen Tiere werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Trächtigkeit getötet, um die Auswirkungen auf den Nachwuchs festzustellen.

Meistens arbeiten Hochschul- und Forschungslabore sowie Pharmaunternehmen mit Versuchstieren, die entweder für diese Zwecke gezüchtet oder gefangen werden. Besonders häufig verwendet werden für Tierversuche Mäuse und Ratten, aber auch andere Wirbeltiere wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Affen und Hunde.

Trotz des allgemeinen Bedürfnisses nach tierversuchsfreien Forschungsmethoden wurden allein im Jahr 2014 in Deutschland etwa 2,8 Millionen Tiere zu Forschungszwecken eingesetzt. Die Versuchstiere sterben oft während der Forschung oder werden anschließend getötet.

Werden noch Tierversuche für die Kosmetik durchgeführt?

In Deutschland sind Tierversuche an sogenannten kosmetischen Endprodukten, also den tatsächlichen Cremes, Lotionen und Co., seit 1986 verboten. Dieses Verbot galt zunächst allerdings nur für dekorative Kosmetika und wurde erst im Jahr 1998 auch um das Segment pflegende Kosmetika erweitert. Seit 2004 dürfen kosmetische Endprodukte nicht mehr an Versuchstieren getestet werden und seit 2009 gilt dieses Verbot auch für Inhaltsstoffe, die in der Kosmetik zum Einsatz kommen.

Zudem sind Tierversuche mit dem Endprodukt und dem Verkaufen von getesteten Produkten innerhalb der EU verboten. 2013 wurde das Verbot erweitert und umfasst nun auch die Einfuhr und den Verkauf von an Versuchstieren getesteten Kosmetika und der darin verwendeten Inhaltsstoffe.

Leider bedeutet dies nicht, dass es innerhalb der EU oder Deutschland nur noch tierversuchsfreie Kosmetik zu kaufen gibt. Denn es gibt ein „Schlupfloch“ im EU-Recht. Tatsächlich gilt das Verbot der Tierversuche tatsächlich nur für rein kosmetische Inhaltsstoffe. Verwendet werden dürfen aber auch Inhaltsstoffe, die in Produkten wie etwa Reinigungsmitteln oder Farben eingesetzt werden. Solche Inhaltsstoffe werden vor Zulassung nach wie vor über Tierversuche getestet.

Da die meisten Unternehmen aber beständig auf der Suche nach neuen Inhaltsstoffen sind, beschränken sie sich nicht auf die rund 8000 für den Menschen als sicher geltenden Stoffe. In der Annahme, so wettbewerbsfähig zu bleiben, wollen die Unternehmen immer neue Substanzen präsentieren, die spezielle Effekte versprechen. Dazu bedienen sie sich den Stoffen, die unter das sogenannte Chemikaliengesetz fallen. Diese Stoffe dürfen immer noch an Tieren getestet werden. Tatsächlich machen solche Inhaltsstoffe je nach Produkt bis zu 90 Prozent der verwendeten Substanzen aus, womit die Artikel nicht mehr tierversuchsfrei sind.

Wie häufig kommen Tierversuche für Kosmetik noch vor?

Da die wenigsten Hersteller von konventionellen Kosmetikartikeln klar Position beziehen und transparent aufzeigen, wann und in welchem Ausmaß für die von ihnen hergestellten Produkte Versuchstiere in Tierversuchen benutzt werden, ist es für den Endverbraucher nahezu unmöglich, einen genauen Überblick über die Tierversuche für Kosmetik zu erhalten.

Obwohl es mittlerweile Zweifel an der Übertragbarkeit der Ergebnisse gibt – so sind viele Stoffe, die für Tiere giftig sind für den Menschen vollkommen unbedenklich und vice versa – und somit die Aussagekraft der Tests bezweifelt wird, finden immer noch Tierversuche an den oben erwähnten Chemikalien statt. Auch die Diskussion, dass das gezielte Töten und Quälen von Versuchstieren ethisch nicht vertretbar ist und es neue Methoden zur Erkenntnisgewinnung gibt, haben das offizielle und inoffizielle Testen an Tieren noch nicht beenden können. Da die Kosmetikindustrie Tierversuche im Kosmetikbereich vor allem dazu anwendet, um neue Stoffe sicher nutzen zu können. Wurden entsprechende Versuche gemacht, hat der Verbraucher kein Anrecht auf Ansprüche im Schadensfall. Da in einigen Ländern Tierversuche sogar gesetzlich vorgeschrieben sind, müssen Konzerne, die sich diesen Markt zur Gewinnmaximierung erschließen wollen, auch weiterhin Tierversuche durchführen.

Woran erkennst du tierversuchsfreie Kosmetik?

Tierversuchsfreie Kosmetik findest du vor allem im Internet in speziellen Online-Shops, die ausschließlich zertifizierte Produkte verkaufen. Im Einzelhandel ist es teilweise etwas schwieriger tierversuchsfreie Kosmetik zu erkennen. Nicht jede rein pflanzliche Creme ist auch tierversuchsfrei und auch Naturkosmetik muss nicht unbedingt ohne Tierversuche hergestellt worden sein. Woran kannst du dich also orientieren?

Es gibt zum einen gründlich kontrollierte Listen, die über entsprechende Kosmetikmarken informieren, wie etwa die Positiv-Liste des Deutschen Tierschutzbundes. Ferner gibt es Apps, die du dir auf das Smartphone laden kannst und die weiterhelfen. Eine gute Orientierung bieten auch entsprechende Siegel und Zertifikate. Besonders bekannt ist die Vegan-Blume der Vegan Society England, die nur auf Produkten abgebildet sein darf, die ohne Tierversuch hergestellt wurden. Ein international gültiges Siegel ist das Leaping Bunny. Auch als Springendes Kaninchen bekannt ist das Siegel Humane Cosmetic Standard eins der am strengsten kontrollieren Siegel, das von Organisationen der ECEAE überprüft wird.