Siegel für tierversuchsfreie Kosmetik

Labels und Siegel für die Kosmetik ohne Tierversuche erkennen

Siegel für tierversuchsfreie Kosmetik
Bild von silviarita auf Pixabay

Dekorative und pflegende Kosmetik gehört für die meisten Menschen zum Alltag. Immer mehr Menschen legen bei der Wahl ihrer Pflegeprodukte Wert darauf, dass diese in der Herstellung weder Umwelt noch Tiere belasten. Daher geht der Trend hin zu tierversuchsfreier Kosmetik. Und glücklicherweise bieten immer mehr Marken Produkte an, die nicht an Tieren getestet wurden – allen voran die Naturkosmetikhersteller. Mit Hilfe der Siegel für tierversuchsfreie Kosmetik kannst du Hersteller und Produkte finden, die zu 100% ohne Tierversuche auskommen.

Tierversuche in der Kosmetik

Tierversuche sind in Deutschland seit 1986 verboten, wenn es sich um dekorative Kosmetika handelt. Leider war dies nur ein erster Schritt, denn die Abgrenzung zwischen dekorativer und pflegender Kosmetik war nicht klar geregelt, weshalb es Herstellern leicht war, dieses Verbot zu umgehen. So wurde eigentlich klar dekorative Kosmetik eben kurzerhand als pflegend gekennzeichnet. Lippenstift, Make-up und Co. konnten somit noch lange Zeit weiterhin im Tierversuch geprüft werden.

Für pflegende Kosmetika wurden Tierversuche für Endprodukte und kosmetische Inhaltsstoffe im Jahr 1998 in Deutschland verboten. Im Prinzip eine gute Sache. Doch schaut man genauer hin, ist dieses Verbot Augenwischerei. Denn ein Großteil der in der Kosmetik eingesetzten Rohstoffe fallen unter die Vorgaben des Chemikaliengesetzes. Da diese Rohstoffe weiterhin im Tierversuch überprüft werden dürfen, ist es weiterhin schwierig, wirklich 100% tierversuchsfreie Kosmetik zu erkennen. Dann ab 11.09.2014 ein weiterer Schritt in die richtige Richtung: Es gilt seitdem ein EU-weites Verbot von Tierversuchen für sämtliche Kosmetika.

Ab 11. März 2013 wurde Herstellern auch ein Schlupfloch gestopft. Denn seit diesem Datum dürfen Kosmetika, die als Endprodukt oder deren Inhaltsstoffe an Tieren getestet wurden, nicht mehr in die EU eingeführt werden.

Wozu Siegel für tierversuchsfreie Kosmetik, wenn Tierversuche ohnehin verboten sind?

Auch wenn Tierversuche für die Kosmetik offiziell verboten sind, bedeutet das nicht, dass aufgrund dieser Vorgaben alle Kosmetika tatsächlich tierversuchsfrei sind. Denn das Testen von Rohstoffen, die unter das Chemikaliengesetz fallen, dürfen immer noch durch Tierversuche getestet werden. Diese Substanzen werden auch als kosmetische Inhaltsstoffe, aber nicht ausschließlich für Kosmetika verwendet. Als Ausnahmechemikalien werden sie dennoch in den Pflegeprodukten genutzt, wobei der Anteil mit diesen Substanzen sich auf bis zu 90 Prozent belaufen kann.

Ganz schön kompliziert und für den Verbraucher schwer nachzuvollziehen. Somit sind sehr viel Kosmetika auf dem Markt indirekt dennoch an Tieren getestete Produkte.

Wenn du nur noch Kosmetik verwenden möchtest, die 100% frei von an Tieren getesteten Inhaltsstoffen ist, musst du sehr viel Recherchearbeit leisten. Um es Verbrauchern etwas einfacher zu machen, wurden einige Siegel für tierversuchsfreie Kosmetik oder Labels ins Leben gerufen. Findest du eines dieser Siegel auf einer Kosmetikverpackung, kannst du sicher sein, dass die Produkte wirklich tierversuchsfrei sind.

Um es dem Verbraucher aber ja nicht allzu einfach zu machen, gibt es nicht „das Eine“ Siegel für 100% nicht an Tieren getestete Kosmetik. Stattdessen musst du dich einmal über die aktuell gebräuchlichen Tierschutz Siegel informieren. Hier sind das Leaping Bunny Siegel und der Hase mit schützender Hand als strengste und wichtigste Siegel im Bereich tierversuchsfreie Kosmetik hervorzuheben.

Leaping Bunny Siegel – international gültiges Siegel für tierversuchsfreie Kosmetik

Das Leaping Bunny-Siegel wurde von Organisationen entwickelt, die sich für den Tierschutz einsetzen. Hier sind unter anderem der Deutsche Tierschutzbund und die österreichische Organisation Vier Pfoten zu nennen. Es ist ein international gültiges Siegel, das tierversuchsfreie Kosmetika nach einheitlichen Standards auszeichnet und weltweit vergeben wird.

Hersteller, die das Siegel nutzen wollen, müssen nachweisen, dass weder die Endprodukte noch deren Rohstoffe an Tieren getestet wurden. Das Unternehmen selbst sowie Mutter- oder Tochterunternehmen dürfen auch keine anderen Produkte herstellen oder herstellen lassen, welche in irgendeiner Weise an Tieren getestet werden. Die strengen Vergabekriterien sehen außerdem vor, dass der Hersteller zur Kontrolle der Einhaltung der Tierversuchsverbote ein eigenes Kontrollsystem einrichten muss, welches auch bei Kontrollen als Nachweis der Einhaltung dient.

Ferner dürfen sie keine anderen Firmen mit Tierversuchen für die Entwicklung ihrer Produkte beauftragen. Das Leaping-Bunny-Siegel bietet die perfekte Orientierung, wenn Produkte aus dem Ausland gekauft werden, und man sichergehen möchte, dass auch diese ohne Tierversuche hergestellt wurden.

Beachte aber beim Leaping-Bunny-Siegel, dass es wirklich „nur“ angibt, dass die Kosmetikprodukte sowie deren Inhaltsstoffe in keiner Weise im Tierversuch getestet wurden. Es sagt nicht aus, dass die Kosmetika keinerlei tierische Bestandteile enthalten. Leaping-Bunny ist somit kein Siegel für vegane Kosmetik oder Naturkosmetik.

Das IHTK-Siegel (Hase mit schützender Hand)

Tierversuchsfreie KosmetikDas IHTK-Siegel gilt in Sachen Tierschutz als eines der strengsten Siegel. Es zeigt einen Hasen mit schützender Menschenhand darüber. Der Hase mit schützender Hand wurde vom Internationalen Herstellerverbands für tierschutzgeprüfte Naturkosmetik, Kosmetik und Naturwaren e.V., ins Leben gerufen.

Verwendet werden darf dieses in Deutschland vergebene Tierschutz Siegel nur, wenn die Kosmetika des Herstellers weder bei Herstellung noch als fertiges Produkt an Tieren getestet werden.  Auch Rohstoffe, die nach 1979 an Tieren getestet wurden, dürfen in dem Produkt nicht verwendet werden. Durch diesen Zusatz ist das IHTK-Siegel eine sehr gute Orientierung, wenn du wirklich sichergehen möchtest, ein komplett tierversuchsfreies Produkt zu erhalten. Auch dürfen Hersteller, die dieses Siegel nutzen, nicht mit anderen Firmen im geschäftlichen Kontext stehen, welche Tierversuche nutzen oder durchführen sowie die eigenen Produkte nicht in Länder exportieren, in denen noch Tierversuche für Kosmetikprodukte Pflicht sind. Daneben verbietet das IHTK-Siegel den Einsatz von Rohstoffen toter Tiere sowie verpflichtet, dass Produkte lebender Tiere (wie etwa Honig, Bienewachs, Propolis)  der Bio-Verordnung entsprechen müssen.

2013 kam eine Erweiterung des Siegels hinzu. Seitdem gibt es den Hasen mit schützender Hand außerdem mit dem Zusatz „Animal-friendly“. Wenn du dich für Naturkosmetik interessierst, ist dieses Siegel interessant für dich. Denn es gilt nur für tierfreundliche Naturkosmetik, die auch die ökologische und sozialverträgliche Produktion garantiert und zudem aus mindestens 20% Inhaltsstoffen aus biologischem Anbau besteht. Verboten sind Gentechnik sowie Palmöl und andere Inhaltsstoffe aus dem Regenwald.

Dieses Siegel weist also sehr strenge Kriterien auf, dient also somit als gute Orientierung, um wirklich tierversuchsfreie Kosmetik zu beziehen. Leider ist der Hase mit schützender Hand nicht sehr verbreitet und du wirst ihn daher eher selten auf der Kosmetikverpackung finden.

PETA Cruelty-Free für leidfreie Kosmetik

Die Tierschutzorganisation People For Ethical Treatment Of Animals , kurz PETA, vergibt das Label PETA Cruelty-Free an Kosmetikhersteller, die der Organisation schriftlich bestätigt haben, dass sie weder selbst Tierversuche durchführen, noch andere Unternehmen damit beauftragen. Auch die Zulieferer dieser Firmen dürfen ihre Produkte nicht an Tieren testen. Zudem dürfen nur Unternehmen mit dem Label ausgezeichnet werden, die ihre Produkte nicht nach China verkaufen. Da in China Tierversuche für dekorative und pflegende Kosmetika vorgeschrieben sind, kann einem Unternehmen, das seine Produkte in das Land verkauft, das Gütesiegel auch wieder aberkannt werden.

BDIH-Siegel – auch als Siegel für tierversuchsfreie Kosmetik

Der BDIH zertifiziert kontrollierte Naturkosmetik. Wenn das Kosmetikprodukt ein BDIH Siegel besitzt, ist das bereits ein guter Hinweis für tierversuchsfreie Kosmetik. Denn das Siegel wird nur an Naturkosmetikhersteller vergeben, deren Produkte weder bei der Herstellung, Entwicklung sowie deren Prüfung an Tieren getestet werden. Daneben dürfen die Hersteller, die das BDIH Siegel besitzen, keine Inhaltsstoffe in den Kosmetika einsetzen, die nach dem 31.12.1997 an Tieren getestet wurden. Beachte aber bitte auch hier, dass BDIH Kosmetik zwar als tierversuchsfreie Kosmetik gilt, doch diese darum nicht zwangsläufig vegan ist. Produkte toter Tiere dürfen in der Kosmetik nach BDIH zwar nicht eingesetzt werden, doch Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs wie etwa Milch, Honig oder Propolis sind erlaubt.

Vegan-Siegel – tierversuchsfrei und frei von pflanzlichen Inhaltsstoffen

Die Vegan-Blume der Vegan Society aus England wird zur Auszeichnung von rein pflanzlichen Produkten verwendet. Artikel, die dieses Siegel tragen, dürfen zudem nicht an Tieren getestet werden. Somit stellt dieses Vegan-Siegel eine gute Orientierung dar, wenn tierversuchsfreie Kosmetik gesucht wird.

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