Natrue: das Bekannteste unter den Naturkosmetik-Siegeln

NaTrue Siegel für zertifizierte Naturkosmetik

Natrue
Natrue Siegel für zertifzierte Naturkosmetik

Die Begriffe „Bio- und Naturkosmetik“ sind in Deutschland nicht gesetzlich definiert. NaTrue fordert genau das ein. Bis eine Definition gefunden wird, setzt das Unternehmen selbst strenge Richtwerte fest und vergibt ihr Siegel an Produkte, die diese einhalten.

Der Boom von Naturkosmetik zeigt, wie wichtig unsere Konsumentenentscheidungen sind und welche Macht wir damit ausüben können. Was nicht gekauft wird, wird nicht hergestellt. Sowie die Veggie-Theke im Supermarkt immer voller wird, bieten auch Drogerien eine größere Auswahl für Käufer an, die auf Nachhaltigkeit bedacht sind. Und die Auswahl wächst stetig, was die Qual der Wahl erhöht. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wem man wirklich vertrauen kann und wo man Angst vor „Greenwashing“ haben muss. Um eigenständig qualitative Unterschiede erkennen zu können, solltest Du Dich mit zertifizierten Gütesiegeln vertraut machen. Sie legen Grenzwerte für Inhaltsstoffe in den Produkten fest und achten auf Herstellungs- und Verarbeitungsverfahren. Natrue ist eines der Bekanntesten unter den Siegeln.

NaTrue – Über 6.200 Produkte sind mit dem Natrue-Label versehen

Beginnen wir für einen Überblick mit den Zahlen: Natrue wurde 2007 gegründet und ist nach eigenen Angaben nicht gewinnorientiert. Mittlerweile hat der Verein mehr als 60 Mitglieder in über 30 Ländern und das auf der ganzen Welt. Zu den Mitgliedern gehören bekannte Naturkosmetik-Marken wie Weleda, Dr. Hauschka, Primavera, Farfalla oder Logocos. Aktuell tragen mehr als 6.200 Produkte das Natrue-Label. Diese gehören zu über 270 Marken. Laut Angaben des Vereins melden sich immer mehr Marken mit dem Wunsch der Zertifzierung bei dem Verein.

Wer darf das Natrue-Siegel tragen?

Zertifizierte Produkte müssen in erster Linie darauf achten keine künstlichen Inhaltsstoffe zu verwenden. Zugelassen sind sogenannte natürliche, naturnahe und naturidentische Inhaltsstoffe. Selbst wenn Anteile des Produkts im Labor hergestellt werden, kommen sie zumindest in der Natur vor. Je nachdem wie gut das jeweilige Produkt in den einzelnen Kriterien abschließt, kann es in unterschiedlich hohe Zertifizierungsstufen eingeteilt werden:

  • Naturkosmetik: Basis-Stufe
  • Naturkosmetik mit Bio-Anteil: Mindestens 70 Prozent der natürlichen oder naturnahen Inhaltsstoffe müssen aus kontrolliert biologischem Anbau und/oder aus kontrollierter Wildsammlung stammen. Außerdem sind die Unter- und Obergrenzen für Inhaltsstoffe strenger als bei der Basis-Stufe.
  • Biokosmetik: Mindestens 95 Prozent der natürlichen beziehungsweise naturnahen Inhaltsstoffe müssen aus kontrolliert biologischem Anbau und/oder kontrollierter Wildsammlung stammen. Außerdem sind die Unter- und Obergrenzen sind noch strenger gesetzt als in der zweiten Stufe.

Ein kleiner Nachteil besteht dabei: Zu welcher der Zertifierungsstufen das jeweilige Produkt gehört, ist auf dessen Verpackung nicht gekennzeichnet. Diese Information ist allerdings auf der Homepage des Verbandes einfach einsehbar. Für alle Produkte mit dem Natrue-Siegel, egal welcher Zertifizierungsstufe gilt, dass sie frei von Tierversuchen sein müssen.

Zudem unterbindet der Verein die Möglichkeit für Unternehmen, „Greenwashing“ zu betreiben. Mindestens 75 Prozent der Einzelprodukte einer zusammengehörenden Pflegeserie von NaTrue müssen zertifiziert sein, damit auch nur ein Produkt das Label tragen kann. Das bedeutet ein Unternehmen kann keine Vorzeigeprodukte mit Siegel versehen lassen, um ansonsten ausschließlich weniger naturnah zu produzieren.

Und wer kontrolliert die jeweiligen Unternehmen?

Ob ein Produkt von Natrue zertifziert wird, entscheidet sich in zwei Schritten. Nach der Kontrolle der Unterlagen eines Unternehmen und dem Abgleich dieser mit den Natrue-Standarts, überprüft ein Zertifizierer im Unternehmen selbst, also vor Ort, die Situation. Dieser Vorgang wird alle zwei Jahre wiederholt.

Natrue – Wo ist der Haken?

Viele Konsumenten, die Wert auf Naturkosmetik legen, wünschen sich gleichzeitig vegane Produkte. Hierzu müssen jedoch andere Siegel, wie die Vegan-Blume, mit in Betracht gezogen werden. Natrue-zertifizierte Produkte sind zwar tierversuchsfrei, jedoch bedeutet tierversuchsfrei nicht unbedingt, dass das Produkt auch vegan ist. So können z. B. Bienenwachs, Honig und Milch enthalten sein. Ernsthafte Kritik wurde an Natrue bislang nicht geübt.

Vielmehr kann noch lobend erwähnt werden, dass Natrue auch im Bereich Forschung aktiv ist. Der Verband unterstützt Projekte, die die Weiterentwicklung von Natur- und Biokosmetik, sowie ihre Herstellung fördern. Aktuell ist der Verein besipiesweise Partner der EU-finanzierten Industriekonsortialinitiative URBIOFIN. Das Projekt möchte eine nachhaltigere Bioökonomie erreichen. Sie suchen nach Wegen den organischen Teil des Siedlungsabfalls in biobasierte Produkte, einschließlich Produktverpackungen, umzuwandeln.

Falls Dir demnächst mal jemand begegnet, der meint, dem Markt sei nicht zu trauen, hat dieser Jemand vermutlich Recht. Daraus aber abzuleiten, dass man gar nicht erst damit anfangen müsse, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen, ist ein Trugschluss. Es kostet nicht viel Zeit und Energie, sich Wissen über Verbraucher-Stützen wie Gütesiegel anzueignen. Das in Kombination mit einer gesunden Skepsis kann dabei helfen, gute und nachhaltige Unternehmen zu stützen, die noch dazu vernünftig mit ihren Mitarbeitern umgehen.